Historische Brückenrampe, Wiesbaden (Mainz-Kastel)

Historische Brückenrampe, Wiesbaden (Mainz-Kastel)

Schon vor 2000 Jahren schlugen die Römer unweit der Mainmündung eine Brücke über den Rhein. Andere taten es ihnen nach. Doch heute würde nichts mehr daran erinnern, hätte nicht die Regionalpark Gesellschaft 2012 ein Projekt angeschoben, das den Brückenschlag am Rheinknie thematisiert. Dazu wurden die Reste jener Behelfsbrücke hergerichtet, die 1946 die Alliierten errichteten.

Benannt war die provisorische Brücke nach dem Kommandeur der 7. US-Armee Alexander M. Patch. Vier Jahre lang floss der Verkehr über das Bauwerk mit der eigenartigen Konstruktion. Der flott in den Rhein gestellten Querung fehlte die Höhe, um größere Schiffe passieren zu lassen. Deshalb besaß sie im Mittelteil eine Verschwenkeinrichtung. Die wurde stets geöffnet, wenn größere Kähne kamen. Geblieben ist von der Konstruktion nur die Rampe auf Wiesbadener Seite. Genau die Stelle wurde für das Regionalparkprojekt hergerichtet – wobei es durchaus Diskussionen gab: Die Stelle war im Laufe der Jahre völlig zugewuchert, der historische Ort nicht mehr erkennbar. Die Ausholzung des Biotops fand nicht uneingeschränkt Beifall.

Der Gewinn aber ist unbestreitbar: Der Blick von der neu gestalteten Brückenrampe zeigt das außergewöhnliche Rheinpanorama zwischen Mainz und Wiesbaden. Die Aussicht reicht weit über die Theodor-Heuss-Brücke zu Mainzer Alt- und Neustadt, zur Petersaue bis hin nach Biebrich und dem Taunuskamm. Im direkten Anschluss an die Grünanlage Eleonorenstraße gelegen, erhöht sich deren Attraktivität als Naherholungsgebiet. Sechs informative Tafeln unterrichten den Besucher über das zentrale Thema „Brückenschlag“ hinaus.

Natürlich steht an erster Stelle die technische Glanzleistung der Römer. Die trieben von Mogontiacum (= Mainz), der Hauptstadt ihrer Provinz Germania Superior, die Besiedlung auf der nördlichen Seite des Rheins voran. Eine feste Brücke war dazu unerlässlich. Nach dem Abzug verfiel das Bauwerk. Doch die Fundamente waren wahrscheinlich so solide, dass Jahrhunderte später Karl der Große eine Holzbrücke darauf errichten ließ. Sie brannte ab. Und dann wagte mehr als tausend Jahre kein Herrscher mehr den Brückenschlag. Erst 1885, als die industrielle Revolution ihrem Höhepunkt entgegen strebte, eröffnete Großherzog Ludwig IV. von Hessen einen imposanten Neubau. Der hielt – bis ihn die Nazis auf dem Rückzug vor den Allierten 1945 sprengten. Die Tafeln vor Ort erzählen aber auch über das Werden der Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz, über die Geschicke der beiden Landeshauptstädte und die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Mainz-Kastel.

Sitzstufen am alten Leinpfad bilden den Brückenkopf mit Blick Richtung Mainzer Ufer, hinüber zum Kurfürstlichen Schloss und der Christuskirche. Eine weitere Sitzmöglichkeit bietet ein Halbkreis aus Sichtbetonelementen. Der im Laufe der Jahre erodierte Betonsockel eines Fahnenmastes wurde durch Naturstein ersetzt, die Bodenhülse für eine neue Fahne hergerichtet. An den Rändern der Rampenfläche befinden sich bandartig angelegte Staudenbeete. Sie sind eine Erweiterung der bereits bestehenden Vegetationsflächen im Parkbereich. In diesen Beeten befinden sich weitere Sitzmöglichkeiten.

Die Erinnerungsstätte an der ehemaligen Brückenrampe liegt fast genau im Schnittpunkt zweier großer Radrouten: Die Regionalpark Rundroute kreuzt unweit davon den Mainuferweg, der nahtlos in die Radlertrasse am Rhein übergeht. Auch deshalb ließ man das Areal gestalterisch aufwerten.

Kontakt und Ansprechpartner

Regionalpark RheinMain GmbH
Frankfurter Straße 76
65439 Flörsheim am Main
Tel: +49 6145/9363620
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