Schloss Philippsruhe, Hanau-Kesselstadt

Schloss Philippsruhe, Hanau-Kesselstadt

Hochzeit ist etwas Besonderes – und in Hanau noch ein bisschen mehr: Dort kann man sich trauen lassen wie einst bei Fürstens. Das Standesamt residiert in einem Bilderbuch-Schloss am Mainufer. Im Barock von den Hanauer Grafen errichtet, überformten es spätere Besitzer nach dem Geschmack der Zeit: Orangerie, Landschaftspark, klassizistische Bauelemente – am imposantesten aber kommt der illustre Stilmix der Gründerzeit daher.

Das erste, was der von Hanau Kommende gewahr wird, ist das riesige vergoldete Tor zum Schloss-Vorhof.  Fast erwartet er, der schmiedeeiserne Doppelflügel müsse sich, verschnörkelte und Wappen-gekrönt, dem Besucher wie in einer kitschigen Fernsehserie öffnen und der prächtige Brunnen zur Begrüßung eine Fontäne aufsteigen lassen. Tun sie natürlich nicht. „Einfaches Volk“ muss zum Staunen durch die kleinen Seiteneingänge hereinspazieren. Staunen darf es dann aber reichlich. Was vor allem am letzten blaublütigen Besitzer von Schloss Philippsruhe liegt.

Landgraf Friedrich-Wilhelm (1820 – 1884) aus der Rumpenheimer Nebenlinie des Hauses Hessen hatte es sich im reifen Alter von 55 Jahren in den Kopf gesetzt, den Main künftig von der anderen Seite anschauen zu wollen. 1880 übersiedelte die Familie von der Offenbacher Mainseite an den Rand von Kesselstadt. Dafür hatte Friedrich-Wilhelm das von den Fürsten aus Hessen-Kassel geerbte Schloss in den fünf Jahren  zuvor prachtvoll umbauen lassen. Es ging beileibe nicht nur um Verzierungen wie am großen Tor. Die Rumpenheimer brachen den bald 200 Jahre alten Barockbau auf und erweiterten den Mitteltrakt. Versehen mit üppigem Haupttreppenhaus sowie vorgelagertem Säulenportikus entstand das pompöse Entree. Weitere Räume wurden durch Stuck- und Intarsienarbeiten aufgewertet. Die gewaltigen Majolika-Öfen, die noch stets für „Ahs“ und Ohs“ bei Führungen sorgen, bestellte der neue Herr in Magdeburg und Dresden. Immerhin: Die wertvollen Keramiken im Stil der französischen Klassik schlagen einen Bogen zur letzten Umbauphase 50 Jahre zuvor.

Denn: Nachdem das Geschlecht der Hanauer Grafen 1736 ausgestorben war, fiel das Erbe an die Landgrafschaft Hessen-Kassel. Für die späteren Kurfürsten blieb der südhessische Besitz Nebenresidenz. Erst Wilhelm II. (1777 – 1847) konnte sich dafür erwärmen. Auf ihn geht nicht nur das Teehaus zurück. Er begann in seinen späten Jahren auch, den Barockgarten in einen Park nach englischem Vorbild umzubilden. Von seinen im Haupthaus angestoßenen Veränderungen ist im Grunde nur der „Weiße Saal“ (heute Schlossrestaurant) erhalten. Klassizistische Stilelemente wie korinthische Säulen und Stuck in antikisierender Formensprache vermitteln den Gästen herrschaftliche Gefühle.

Grundriss und erste Ausformung der Anlage aber gehen auf Graf Philipp Reinhard von Hanau-Münzenberg (1664 – 1712) zurück. 1701 von Architekt Julius Ludwig Rothweil begonnen, beendete dessen französischer Kollege Jacques Girard die Anlage mit dem dominanten Mittelbau. An den schlossen sich Wohntrakte und eingeschossige Funktionsbauten an. Das gesamte Ensemble entstand an einer Stelle, wo bis zur Zerstörung im 30-jährigen Krieg ein Lustschlösschen der Hanauer aus Renaissance-Zeiten gestanden hatte. Der letzte Hanauer Graf Johann Reinhard III. krönte den barocken Garten mit dem Bau einer Orangerie.

Die mag als typisch stehen für das Schicksal von Philippsruhe in Zeiten der Bundesrepublik. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog eine Autowerkstatt ein. Mit zunehmendem Bewusstsein für die historischen Schätze der Region wurde die Orangerie zur Landesgartenschau 2002 im alten Stile wieder hergerichtet. Ähnlich hatte die Stadt Hanau seit dem Erwerb des Schlosses 1950 Stück für Stück begonnen, es wieder zu jenem heute so beeindruckenden Repräsentativbau aufzumöbeln. Historisches und Papiertheater-Museum sind dort ebenso zu Hause wie im Garten die Brüder-Grimm-Märchenfestspiele und die Schlosskonzerte.

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