Festung Rüsselsheim

Festung Rüsselsheim

Lange Jahre sah die Festung wie ein seltsamer quadratischer Hügel aus, zugewuchert mit Bäumen und niederem Gehölz. Erst seit den 1990er Jahren bemüht sich die Stadt, das rund einen Hektar große Areal wieder seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß herzurichten. Die Rüsselsheimer Festung gehörte zu den vier großen Verteidigungsanlagen der Landgrafen von Hessen. Mit gewaltigen Wällen, Gräben und fünf Bollwerken spielte sie eine wichtige Rolle bei der Verteidigung des Territoriums.

Der erste Bau an dieser Stelle war indes erheblich kleiner ausgelegt. Von 1399 datiert die Urkunde, mit der die Grafen von Katzenelnbogen ihre Ansprüche am Main proklamierten. Darin ist auch die Rede von einer Burg an jener Stelle. Das Geschlecht vom Mittelrhein (um St. Goar) hatte im Laufe der Jahre beträchtliche Gebietsgewinne im Darmstädter Raum verzeichnet. Um eine brauchbare Verbindung zwischen den Besitzungen zu gewährleisten, sicherten die Grafen eine seinerzeit bei Rüsselsheim existierende Mainfurt durch die Burg ab.

Nach dem Untergang des Hauses 1479 traten die Landgrafen von Hessen das Erbe an. Heinrich III. ließ dann bis 1546 den nach allen Regeln der damaligen Kriegskunst durchdachten Verteidigungskoloss errichten. Was Kaiser Karl V. nicht hinderte, die Anlage nach der Niederlage der Hessen und ihrer Verbündeten im Schmalkaldischen Krieg 1547 zu schleifen.

Wenige Jahre später stand sie indes wieder. Ganz typisch für die Festungen jener Zeit etwa ist der gewundene Zugang unter dem mächtigen Erdwall. Wer vom Westen das Innengelände betritt, muss da hindurch – und man ahnt: Sich hier reinzukämpfen war für Angreifer ein ziemlich verlustreiches Unterfangen. Das hinderte die französischen Truppen im Zuge des Pfälzer Erbfolgekrieges nicht, nach der Einnahme 1688 große Teile zu sprengen und auch in Rüsselsheim die „Politik der verbrannten Erde“ zu betreiben.

Diese massive Zerstörung bedeutete das Ende der Festung: Ein Wiederaufbau lohnte angesichts fortschreitender Waffentechnik nicht. Und so blieben nur die paar heute noch gut als alte Substanz zu erkennenden Gebäude halbwegs stehen. Das Gesamtensemble ist eine Mischung aus sehenswert Restauriertem und – beispielsweise – Waschbeton-Architektur der frühen Bundesrepublik.

Die zunehmende Wertschätzung durch die Stadt begann mit dem Einzug des „Stadt- und Industriemuseums“ 1976. Das erhielt 1979 des Museumspreis des Europa-Rates. Daneben sind das Stadtarchiv und ein Café untergebracht. Das Museum präsentiert die Entwicklung von der vorgeschichtlichen Zeit bis in die Gegenwart mit dem griffigen Titel „Vom Faustkeil zum Industrieroboter“. Ein gewichtiger Teil widmet sich natürlich der Firma Opel, die als Nähmaschinenfabrik begann und über die Fahrradproduktion zum Auto kam. Das Museum ist eine Station der „Route der Industriekultur“.

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