Weg an der Deponie

Weg an der Deponie

Weg an der Deponie & Nahtstelle Müll - Fenster zur Deponie

Die „Nahtstelle Müll – Fenster zur Deponie“ ist das am nachdenklichsten stimmende Kunstobjekt, das seit der Regionalpark-Gründung entstand. Es kommt lange nicht so spektakulär daher wie Stangenpyramide oder Eisenbaum. Doch der Blick auf die Wegwerfgesellschaft der frühen Bundesrepublik öffnet einem die Augen für zwei Dinge: Das, was der Region angetan wurde, und das, was zu Erhalten man sich weiter anstrengen sollte.

Von der Wiesenmühle kommend schwenkt die Regionalpark-Rundroute mit dem alten Landwehrweg auf den „Weg an der Deponie“ ein. Auf langen Metern geht es entlang der Recycling-, Abfallverwertungs- und Energiegewinnungsanlagen von Rhein-Main Deponie GmbH (RMD) und ihrer Tochtergesellschaft Main-Taunus-Recycling GmbH (MTR). Vorbei an künstlich angelegten Kies- und Geröllhügeln führt der Weg, geschaffen wurden die als Ersatzbiotope für rekultivierte Deponieflächen. Schließlich das Kunstobjekt „Nahtstelle Müll“: Es ist ein Blick in den „Bauch“ einer ehemaligen Abfallhalde. Entworfen hat dieses Fenster ohne Aussicht die Eschborner Künstlerin Romana Menze-Kuhn.

Gewiss kein schöner Anblick, denn: Das 85 Hektar große ehemalige Kiesgrubengebiet zwischen Wicker, Hochheim und Massenheim hatte der Main-Taunus-Kreis mit dem Ziel erworben, es zu einer gigantischen Deponie auszubauen. 1968 ging es darum, überhaupt eine Möglichkeit für die zentrale Ablagerung von Abfällen zu schaffen. Mehr als zehn Millionen Kubikmeter Hausmüll, Klärschlamm und hausmüllähnlicher Gewerbeabfall wurden dort verfüllt.

Dazu hat die Eschborner Künstlerin einen etwa 2,50 Meter breiten Durchgang geschaffen. Die rostige Stahlkonstruktion umfängt den Betrachter dunkel, fast höhlenartig. Von der östlichen Seite schiebt sich ein Ausläufer der Deponie heran: Hinter den Fenstern stapelt sich in dekorativer Hässlichkeit alles, was einst achtlos weggeworfen wurde; heute sammeln wir das aufwändig als wertvolles Recyclingmaterial.

Auf der anderen Seite des Ganges öffnen die Fenster einen Blick auf natürliche Erdschichten und ihren Aufbau. Den Prozess einer vom Menschen hinterlassenen Verletzung der Natur macht Romana Menze-Kuhn durch einen großartigen Kunstgriff erfahrbar: Der Abschluss nach oben erinnert mit den gezackten Rändern an eine aufgeplatzte Wunde, notdürftig und grob wieder zusammengeflickt. Das mag als Statement sehr zugespitzt sein. Doch man kann durchaus der gigantischen Produktions- und Verwertungsgesellschaft westlicher Prägung diesen Spiegel vorhalten.

Narben bleiben, auch wenn sich Mitte der achtziger Jahre in der öffentlichen Meinung die Ansicht durchsetzte, Abfälle möglichst zu verwerten oder, noch besser, ganz zu vermeiden. Wicker jedenfalls zählt zu den frühen Standorten einer Wertstoff-Recyclinganlage. Der eigentliche Deponiebetrieb wurde übrigens Mitte 2005 eingestellt. Was mit der Aufbereitung von Beton begann, ist heute nur ein Geschäftszweig der RMD. Anlagen zur Aufbereitung von Bauschutt und zur Kompostierung von Gartenabfällen sind nun ebenso vorhanden wie ein großer Wertstoffsortierer und Anlagen zur Schlacke- und Altholzaufbereitung.

Kontakt und Ansprechpartner

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Teil der Route:

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