Schloss Dornberg, Groß-Gerau

Schloss Dornberg, Groß-Gerau

Als ehemaliger Sitz der Grafen von Katzenelnbogen, erster Verwaltungssitz des Kreises und Gründungsort der Kreissparkasse ist Schloss Dornberg ein herausragendes Zeugnis für die ältere und jüngere Geschichte der Region. Im Süden von Groß-Gerau am Rande des Altneckar-Bettes gelegen, wurde der Bau ab 2006 umfangreich saniert und die Volkshochschule zog ein. Mittlerweile ist auch die Außenanlage der ehemaligen Wasserburg wieder hergerichtet.

Viel ist von der alten Burg nicht mehr zu sehen. Lediglich das schöne Torhaus, ein Torbogen und ein Stück der Begrenzungsmauer sind erhalten. Aber das ist das Schicksal vieler Burgen auf dem flachen Land. Im Unterschied etwa zu den Höhenburgen an der Bergstraße sind ja auch, um nur zwei Beispiele aus der Region zu nennen, die Gustavsburg und die Feste Rüsselsheim heftig zerstört worden.

Die Dornburg erlitt die massivsten Zerstörungen im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688 bis 1697). Französische Truppen steckten sie bei ihrem Abzug 1689 in Brand. Herrenhaus und Burgmannenhaus brannten völlig ab, das Amtmannhaus zeigte so schwer Schäden, dass es in den folgenden Jahren durch ein größeres Fachwerkgebäude ersetzt wurde.

Die kleine Aufzählung der Bausubstanz zeigt indes Umfang und Bedeutung der Dornburg. Als sie 1236 in einer Urkunde erstmals namentlich auftaucht, dürfte der Kernbau schon 200 Jahre bestanden haben. Ein Eberhard von Dornburg ist bereits 1166 aktenkundig. In jenen frühen Jahren gehörten große Teil des Rieds dem Bistum Würzburg. Im Jahr 1013 hatte Kaiser Heinrich II. den Gerauer Königshof dem Bischof vermacht. Um das Lehen zu sichern, setzte der regionalen Kleinadel als Herrschaft ein. Entsprechend überschaubar waren deren Quartiere: In der ersten Phase dürfte die Dornburg kaum mehr als eine einfache Turmhügelburg gewesen sein. Der Hügel war aufgeschüttet, um für sicheren Stand im sumpfigen Gelände an der alten Neckarschleife zu sorgen.

Zu einer mächtigen Burg wuchs die Anlage erst unter den Grafen von Katzenelnbogen. Das aus dem Limburger Raum stammende Geschlecht hatte mit lukrativen Zollstationen am Rhein, aber auch durch geschickte Heiratspolitik, sein Vermögen gemacht. Die Dornburg blieb bis zum Aussterben des Hauses 1479 einer der bevorzugten Aufenthaltsorte, obwohl die mächtigen Grafen zahlreiche andere Residenzen in Südhessen besaßen, etwa in Rüsselsheim, Darmstadt oder an der Bergstraße. Das Erbe trat das Haus Hessen an.

Nach der massiven Zerstörung durch die Franzosen fiel das Anwesen zurück an die Landgrafen von Hessen-Darmstadt. Die für ihre Jagdleidenschaft bekannten Blaublüter bauten die ehemalige Burg zu einem Jagdschloss um, wie sie es auch mit anderen ihrer Besitzungen taten (u.a. Schloss Wolfsgarten, Kranichstein, Schloss Mönchbruch).

Doch im frühen 19. Jahrhundert begann in der Dornburg eine ganz eigene Geschichte: 1826 initiierte der Großherzogliche Landrat Ernst Wilhelm Heim die Gründung der ersten Sparkasse im Großherzogtum Hessen. Mitgründer war auch ein Onkel von Georg Büchner. Geschäftszweck war unter anderem, „den Bewohnern des Kreises Groß-Gerau, namentlich dem wenig bemittelten Gesinde, den Minderjährigen und Curranden, die Möglichkeit (…) verschaffen, ihre Ersparnisse und Barschaften sicher und zinstragend als Darlehen an die Kasse einzulegen“. Sechs Jahre später zog ins alte Schloss die erste Verwaltungsstelle des gerade gegründeten Kreises Groß-Gerau ein. Die blieb lange: Erst 1937 zog das Kreisamt nach Groß-Gerau um.

Das vorletzte Kapitel von Schloss Dornberg ist der Jugend gewidmet: Nachdem der Kreis das Areal in den 50er Jahren erworben hatte, wurde es zunächst Jugendherberge, dann Kreisjugendheim. Andere Nutzungen folgten. Kurz vor dem Fall der Mauer etwa waren über Ungarn geflüchtete DDR-Bürger dort untergebracht. 2006 riss man die Jugendherberge ab und baute der Kreisvolkshochschule ein neues Gebäude.

Spannend bei der jüngsten Bautätigkeit: So wie die verschiedenen Reste der historischen Substanz sichtbar werden, geschieht das auch auf dem Außengelände. Auf einmal wird der Naturraum mit den uralten Hochufern des Neckar erkennbar, überkrönt von einer Aussichtsplattform. Wer auf der Regionalparkroute unterwegs ist, wird Schloss Dornberg dann gewiss als eines der Kleinode im Südwesten in Erinnerung behalten.

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