Keltenprozession – Auf der Bulau

Keltenprozession – Auf der Bulau

Der Höhenzug über Urberach ist ein Ort der Ein- und Aussichten. Was es mit den Aussichten zu Spessart und Odenwald auf sich hat, ist sonnenklar – und auf einer Panoramatafel exakt beschrieben. Die Einsichten stellen sich erst bei näherem Betrachten ein: Mit viel Liebe zum historischen Detail wird dem Besucher einerseits keltische Begräbniskultur nahe gebracht, andererseits die Straßenbaukunst der Römer.

Das ist schon ein eigenartiger Zug, der da zur Bulau herauf kommt. Ein rätselvolles Gebilde. Die Figuren von Künstler Kai Wujanz verkörpern einen keltischen Bestattungsritus. Aber sie sind ganz löchrig, die Gestalten nur teilweise ausgearbeitet. Der tragende Stahl wirkt wie ein Knochengerüst und erinnert an Skelette, wie sie Archäologen bei Ausgrabungen finden. Noch näher am Vorbild: der Leichenwagen. Er ist einem Original aus der Hallstattzeit (ca. 800 – 450 v. Chr.) nachempfunden, das die Archäologen bei Offenbach-Rumpenheim bargen.

Wenn die Prozession den Ort dem Hier und Jetzt leicht zu entrücken scheint, kann sich der Betrachter mit den anderen Exponaten sogleich wieder nachhaltig erden. Zwei mächtige keltische Hügelgräber wölben sich am Waldrand auf. Diese Art der Hinterlassenschaft findet sich sehr häufig in unserer Gegend. Aber: Für gewöhnlich sind es flache Buckel, kaum zu unterscheiden von natürlichen Bodenstrukturen, abgetragen in zwei Jahrtausenden durch natürliche Einflüsse. Doch hier oben auf der Bulau vermittelt der rekonstruierte, mit Grassoden bedeckte Tumulus einen Eindruck, wie die Gräber der Kelten wohl aussahen.

Erheblich weniger geheimnisvoll ist, was die Römer hinterließen. Ihre Monumentalarchitektur, man denke nur ans Kolosseum, sind der Inbegriff antiker Baukunst. Viel weniger gewürdigt wird die Straßenbaukunst der Italiker. Dabei sind sich Historiker sicher: Ohne das tausende Kilometer lange Netz der Via’s hätte sich das Imperium nie so weit ausgedehnt. Diese antiken Highways kann man mit Fug und Recht als das Rückgrat des damals fast unschlagbaren Militärapparates bezeichnen.

Beispielhaft findet sich auf der Bulau die Rekonstruktion eines Abschnittes einer Straße samt Meilenstein. Sie kam aus dem Messeler Hügelland herauf, ausgehend von Dieburg, dem römischen Hauptort in Südhessen. Auch wenn dessen Name nur bruchstückhaft als „Med“ überliefert ist, der Zielort ist um so klarer: Der Römer-Schnellweg führte ab dem 2. Jhd. n.C. nach Nida, jene mächtige Siedlung  oberhalb der Nidda bei Frankfurt-Heddernheim.

Die Konstruktion der Straße ist typisch für das Vorgehen der Römer: sehr geplant, sehr exakt, und immer nach den gleichen Prinzipien. Bis zu 1,4 Meter tief wurde der Unterbau ausgekoffert. Verfüllt wurde das mit Schüttungen aus verschieden grobem Material: Auf „statumen“ (Grundsteine) folgten „ruderatio“ (faustgroße Steine), dann „nucleus“ (nussgroße Kiesel) bis zur „summa crusta“ (feiner Schotter). Der finale Belag fiel unterschiedlich aus, hier verdeutlicht durch Polygon- sowie Bruchsteinpflaster. Stets aber war die Fahrbahndecke leicht gewölbt und von Randsteinen gefasst. So konnte das Regenwasser ablaufen und wurde gleich kanalisiert. Der Unterschied zu heutigen Straßen außer der Asphaltdecke? Die ruhen in der Regel auf einem nur 0,7 Meter tiefen Aufbau. Ob sie also in 2000 Jahren noch so sichtbar durchs Gelände verlaufen wie viele der alten Römerstraßen – wer weiß.

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