Das Obstbaumrondell Hattersheim

Das Obstbaumrondell Hattersheim

Obstbaumrondell Hattersheim

Am westlichen Ortsrand von Hattersheim liegt das Obstbaumrondell. Drei unterschiedlich bepflanzte Ringe gliedern die kreisrunde, 100 Meter durchmessende Grünanlage. Dominant im Zentrum aber steht ein altes Farbrührgerät der ehemaligen Hoechst AG. Der erinnert als Zeuge für die Industriekultur an den Ursprung des Weltkonzerns als Farbenproduzent.

Wie der Farbrührer, so nimmt die gesamte Anlage Bezug auf die Historie der alten Hoechst AG. Auf den angrenzenden Feldern unterhielt der Chemie- und Pharma-Riese einst Obstplantagen als Versuchsflächen. Die drei Pflanzenringe des Rondells bestehen im Inneren aus 16 Birnbäumen, den mittleren Kreis bilden 28 Apfelbäume, abgeschlossen wird das Rund mit einem Außenkranz aus Beerensträuchern.

Der Farbrührer spielt auf die frühesten Anfänge der Farbwerke Hoechst an. 1863 zunächst als „Theerfarbenfabrik Meister, Lucius & Co.“ gegründet, wurde ab 1865 mit dem dritten Kompagnon Adolf von Brüning die Bezeichnung Farbwerke Bestandteil des Namens. Die Höchster stellten kostengünstig so genannte Teerfarben her. Die ließen sich im Unterschied zu natürlichen Färbemitteln wie Indigo oder Krapp aus einem Abfallstoff der Kokserzeugung, dem Steinkohleteer, gewinnen. Den Durchbruch brachte im Jahr 1869 der Farbstoff Alizarin – von dem krapproten Produkt leitete sich auch der Spitzname „Rotfabriker“ ab.

Heute sind sowohl die Farbwerke als auch der Nachfolger Hoechst AG Geschichte. Nach Rekordjahren Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre mit 45 Milliarden Mark Umsatz und über 170.000 Mitarbeitern bröckelte der Geschäftserfolg. Unter Jürgen Dormann begann Mitte der 90er Jahre die Aufgliederung des Konzerns. In 22 eigenständige Chemie- und Serviceunternehmen zersplitterte der Konzern, Hoechst wurde mit Rhône-Pulenc zu Aventis verschmolzen. Für die Region war das ein Schock – noch heute trauern viele alte Höchster den Zeiten der „Rotfabrik“ nach.

Das hat auch zu tun mit dem Engagement der Farbwerker für ihre Angestellten. Sie bauten Wohnungen für die Angestellten, zahlreiche „Kolonien“ mit den Backstein-Reihenhäuschen rund um das Fabrikgelände zeugen heute noch davon. Und ob Vereine, soziale oder kulturelle Einrichtungen: Sie alle profitierten durch großzügige finanzielle Unterstützungen. Wer übrigens am Obstbaumrondell in Richtung Hattersheimer Schulstraße blickt, kann einen der Fabrikschlote im „Industriepark Hoechst” in der Sichtachse auszumachen.

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