Das Haus des Dichters im Ginkohain

Das Haus des Dichters im Ginkohain

Über das Haus des Dichters

Das „Haus des Dichters“ gehört zu den verspieltesten Landschaftskunstwerken, die  es im Regionalpark RheinMain gibt. Aber: Wer sich dem vordergründig vor allem Goethe gewidmeten Projekt im hohen Ginkgohain nähert, wird Erkenntnis Stiftendes auf vielen Ebenen finden – wie anders sollte es auch sein bei einem Stein gewordenen Sinnbild für die Dichtkunst?

Ein Haus ohne Außenmauern, eine (Schreib-)Feder wie eine Wetterfahne im Wind, beschriftete Metallplatten wie herangewehte Blätter, eine ehemalige Kiesgrube, die zur Erddeponie wurde und nun von Grün überformt ist: Da stellen sich auf Anhieb viele Assoziationen ein. Gedanken über das Flüchtige der Kunst vielleicht, der Dichtkunst zumal. Das stets offene, aber auch ungeschützte Haus, einsam hoch droben auf einem Hügel. Darunter das tief gründende, von Umwälzungen geprägte Fundament. Interpreten haben da ihre helle Freude – aber man darf sich auch ganz ohne Hintergedanken auf der rund zwölf Meter hohen Erhebung niederlassen, die Aussicht und die leichte Sommerbrise genießen.

Sommer? Ja, denn dieser Ort schmeckt nach Sommertag. Er hat etwas Heiteres, Gelassenes. Und das hätte dem Spiritus rector des Ortes gewiss vorzüglich gefallen. Zwar ist das Haus mit der kreuzförmigen Zentralmauer und dem aufgesetzten, elf Meter durchmessenden Dach allen Dichtern gewidmet. Aber dem großen Goethe etwas mehr. Und das nicht nur wegen der Nähe zu seiner Geburtsstadt Frankfurt, sondern auch, weil es ihn 1814 auf einer seiner vielen Reisen in die Flörsheimer Region verschlug. Seine Reise galt den Flüssen Rhein, Main und Neckar. Flüsse, die in jener Zeit von den jungen Romantikern zur Herzensangelegenheit erkoren worden –  wahre Sehnsuchtsorte. Und Goethe? Wurde inspiriert zu seinem namhaftesten Gedichtzyklus, dem West-östlichen Diwan. Daraus auch stammt das berühmte Gedicht über den Entenfußbaum, den Ginkgo. Es befasst sich mit der besonderen Form des Blattes, das so symbolkräftig gespalten ist. Wer wissen will, wie der inspirierende Baum aussieht, muss sich nur zum Haus mit den „Bücherwänden“ begeben: Drumherum wurde ein Ginkgo-Hain gepflanzt.

Ginkgo biloba
(Johann Wolfgang von Goethe)

Dieses Baum´s Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie´s den Wissenden erbaut.

Ist es Ein lebendig Wesen?
Das sich in sich selbst getrennt,
Sind es zwey? die sich erlesen,
Daß man sie als eines kennt.

Solche Frage zu erwiedern
Fand ich wohl den rechten Sinn;
Fühlst du nicht an meinen Liedern
Daß ich Eins und doppelt bin?

 

 

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