Tour 1 – von Gronau nach Eckenheim

TOUR 1 – VON GRONAU NACH ECKENHEIM

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Nach Frankfurt unter Strom

Dieser Weg besticht durch einen unglaublichen Flow. Wie durch Zauberhand tut sich immer genau da eine Fortsetzung auf, wo man sie sich gerade wünscht: Auf einem Trampelpfad exakt auf dem Höhengrat oder geradewegs auf die Frankfurter Skyline zu, über eine Treppe in die Tiefgarage und dann unter dem Krankenhaus hindurch, auf einem langen Steg über das Schnellstraßengewirr, durch ein offenes Tor aus dem Siedlungsgrün auf die Straße… Nicht nur Kinder lieben solche Fortsetzungswege, aber sie sind dafür besonders empfänglich und werden diesen Spaziergang von den Anhöhen der Wetterau in die Großstadt als echte Reise erleben. Besonders, wenn diese Großstadt ihre Heimat ist.

AUSFÜHRLICHE TOURENBESCHREIBUNG

Die Tour führt vom Bahnhof Bad-Vilbel-Gronau auf fast direktem Weg nach Frankfurt. Vom Berger Rücken bieten sich dabei großartige Ausblicke ins Maintal und auf die Frankfurter Skyline. Obwohl ich mich die meiste Zeit zwischen Feldern und Obstbäumen bewege und erst auf den letzten Metern die Stadt betrete, ist die Stadtlandschaft zu meinen Füßen omnipräsent: In den Hochspannungsmasten, die vom Kraftwerk Großkrotzenburg auf Frankfurt zuführen ebenso wie im Hochhaus der Unfallklinik, das mir zur Landmarke wird oder in dem feinen Wegenetz, das die zahllosen Hundebesitzer der Großstadt auf der Suche nach Auslauf geschaffen haben.

Ich fahre mit der hessischen Landesbahn nach Bad-Vilbel Gronau, gehe dann aber nicht ins Dorf, sondern überquere das einzige Gleis bei der ersten Gelegenheit, um auf die Felder zu gelangen. Die anschließende Unterführung unter der L3008 wirkt wie ein Eingangsportal zur heutigen Wanderung. Der Weg steigt leicht an. Vor mir liegen große, frisch gepflügte Felder. Die Erdschollen dampfen in der kühlen Herbstluft. Der erste Richtungswechsel führt mich kurz nach Westen auf den Taunus zu, dann biegt der Weg wieder ab nach Süden. Diese Richtung werde ich erst einmal beibehalten. Als der Weg wieder nach Westen verschwenkt, gehe ich weiter geradeaus. Aus dem asphaltierten Feldweg ist jetzt eine Fahrspur geworden. Im lehmigen, satten Boden der Wetterau zeichnet sich das Profil von Treckerreifen deutlich ab, seine Kanten zerbröckeln unter meinen Sohlen. Der Weg führt jetzt in eine leichte Senke, die entfernten Straßengeräusche verstummen.

Ich nähere mich einem Aussiedlerhof, aber bevor ich diesen erreiche, zeichnet sich rechterhand eine feine, dunkle Linie in einer Wiesenmulde ab. Ich folge dem Entwässerungsgraben, bis der Weg zu einer kaum mehr erkennbaren Spur im Gras wird. In der ringsum ausgeräumten Landschaft wirken die Baumgruppen und Gehölzsäume, auf die ich nun nacheinander zugehe, wie riesenhafte Lotsen. Nach einer Weile steigt der Weg wieder an, zunächst ganz sanft, dann steiler. Ich passiere einen weiteren Aussiedlerhof, ignoriere den gut ausgefahrenen Weg, der den Bauern mit seinen Maschinen auf seine Äcker bringt und nehme stattdessen den Feldrain, der vor mir den Hügel „hochrennt“. Als der Weg in die Horizontale übergeht, weitet sich der Blick ins Unendliche. Zur linken sehe ich die Hochhäuser von Kesselstadt, dahinter die Kühltürme von Großkrotzenburg und hinter mir liegt die Wetterau in ihrer seltsamen Anmutung aus Hochebene – über dem Maintal – und Tiefebene – zwischen Taunus und Vogelsberg – zugleich.

Zur rechten gelangt kurz darauf die Frankfurter Skyline ins Blickfeld. Und Hochspannungsmasten, soweit das Auge reicht. Ich stehe direkt darunter. Wende mich jetzt nach Südwesten, wie, um ihnen zu folgen, mich unter ihren Schutz zu begeben, ihre Aura nicht zu verlassen. Der Weg folgt den Hochspannungsmasten. Die Hochspannungsmasten folgen dem Höhenrücken. Der Höhenrücken führt auf Frankfurt zu.

Ich gehe unter den Stromleitungen von Großkrotzenburg nach Frankfurt auf der letzten Anhöhe der Wetterau auf die Frankfurter Skyline zu. Und bin nicht der Einzige: Menschen mit Hunden kommen mir entgegen, Jogger überholen mich, Mountainbiker wissen, wo es lang geht, Jugendliche mit ihren Eltern haben gute Laune beim Familienausflug. Es ist schön, auf der höchsten Linie zu gehen. Die Welt liegt einem zu Füßen (auch wenn das Maintal jetzt hinter einer Geländekante versinkt). Menschen spüren das. Und wollen diese Linie nicht verlassen. Gehen lieber auf einer Grasnarbe zwischen zwei Feldern (und hin und wieder unter Obstbäumen) als auf dem ausgewiesenen Wanderweg nur wenige Meter nebendran. Die, die sich auskennen. Nicht zum ersten Mal hier sind. Freude daran haben, die Landschaft zu lesen. Wach sind (oder es hier werden?). Wolkenfabrik am Horizont. Gesprächsfetzen. Raus kommen. Das Hirn durchpusten. Oder wenigstens die Lungen. Auftakt der Kaltluftschneise. Gratwanderung zwischen Mainmilde und Wetteraueinsamkeit.
Und so tragen alle dazu bei, dass es auch einen Weg gibt, eine traumhafte, ausgetretene Linie, die mal in einem Feldrain verläuft, sich dann zwischen einer Reihe Obstbäume hindurchwindet oder am Zaun eines Gartens entlang, sich auf offener Wiesenfläche fast verliert, geradewegs auf einen Strommast zuführt… das französiche Wort für Trampelpfad ist ligne du désir… Meine ligne du désir erreicht die Berger Warte und läuft dann auf das Umspannwerk Nord zu. Der Weg scheint zunächst geradewegs in das Werk hinein zu führen, verschwenkt dann aber unvermittelt um 90 grad mitten hinein in den Acker und als er seine Richtung wiedergefunden hat, sind die Strommasten verschwunden und mit ihnen die Kabel im Himmel. Sie laufen ab jetzt wohl unterirdisch weiter, vom höchsten Punkt des Stadtgebietes leicht bergab bis in die Stadt, wie mein Weg. Mainhattan hat nochmal einen großen Auftritt, dann schieben sich Gehölzsäume vor die Skyline und nach der Überquerung des Berger Weg tauche ich ein in die Welt der verwilderten Obstgärten und verwunschenen Rückzugsorte an den Ausläufern des Lohrberg.

Als ich aus dem Dickicht der Gärten auftauche, breiten sich abermals Felder vor mir aus, hinter denen das wuchtige Hochhaus der Frankfurter Unfallklinik unübersehbar das Ende der ländlichen Idylle markiert. Abermals windet sich ein Pfad zwischen den Feldern hindurch auf das Hochhaus zu, so als ob die selbe ligne du désir durch die wilden Gärten nur kurz unterbrochen worden wäre. Schließlich erreicht sie die Auffahrtsschleife der autoahnähnlichen B521. Hier, wo mein Weg und System Schnellstraße sich begegnen, blockiert ein auf die Seite gelegter Strohballen die Durchfahrt. Ein wenig weiter ist es eine in den Straßenraum ragende Leitplanke, mit der das unvermittelte Aufeinandertreffen von Feldweg und Bundesstraße „geregelt“ wurde. Es lohnt, sich die weiteren Details des Clash of Cultures, der sich in dieser Kreuzung vermittelt, ein wenig auf der Zunge zergehen zu lassen: Den Wechsel der Beläge, das Vorhandensein oder Fehlen von Randbefestigungen, die schwierige Vermittlung zwischen schmal und breit, entworfen und entstanden, Kreuzung und Schleife…

Nochmal kurz zwischen Feldern und Wiesen entlang – das Krankenhaus ist jetzt zum Greifen nah – dann mündet mein Weg auf der Lieferantenzufahrt. Links ginge es jetzt in den Huth-Park, aber geradeaus führt eine Treppe runter in die Tiefgarage. Glänzende Bleche im Halbdunkel, Stille, Gussasphalt und Beton, RESERVIERT FÜR CHEFARZT ANÄSTHESIE, dann eine lange Rampe aufwärts, Tageslicht, ein kleines Parkdeck, abermals eine Treppe abwärts, eine Autoschranke und die Unfallklinik hat mich wieder ausgespuckt. Autolärm, noch ein Rampe, diesmal für Fußgänger, auf einen langen Steg über die 6-spurige B521, dann über die A661. Kommt dazwischen gar nicht erst runter, die Brücke. Brückenschleuse. Ausblick: Gehölzinsel im Auffahrtsohr, Skyline über Lärmschutzwand (dahinter Straßenbahngleise). AUSFAHRT STADTMITTE/BERGEN-ENKHEIM/SECKBACH/UNFALLKLINIK.

Dröhnen. Schock und Großstadtkino. Dann Alltagsstadt. Straße mit Häusern und Bäumen. Linkerhand Kleingärten, dann eine hohe Hecke. Wo die Hecke endet, beginnt ein Wohnpark (oder kann man das noch Siedlung nennen?) Ich gehe links in die lange Tiefgaragenzufahrt. Und kann jetzt sehen, was die Hecke verbarg: Eine Gärtnerei! Umgeben von Wohnsiedlungen liegt das Areal aus langen Reihen von Zuchtbeeten und Gewächshäusern wie ausgespart da. Ausgespart aus dem Raum, aber auch aus einer (nicht sehr fernen) Vergangenheit. Ein Stück alter Stadtrand, wo dieser eigentlich schon weiter gewandert ist.

Ein Vedutenmotiv – Stadtansicht von außen – obwohl ich stadtauswärts blicke. Gewächshäuser vor Wohnsiedlung vor Lärmschutzwand vor Krankenhaus. Und mittendrin die bescheidene Villa der Gärtnersfamilie. Ich gehe diesmal nicht in die Tiefgarage, sondern durchquere den Wohnpark (die Siedlung?) auf dem Deckel, der jetzt MARIANNE-BEUCHERT-PLATZ heißt: FLORISTIN, GÄRTNERIN, PUBLITZISTIN. Im Netz finde ich die Info, dass Marianne Beuchert als Inhaberin eines Blumenladens und autodidaktische Pflanzenkundlerin eine Frankfurter Institution war. Ihre modernistische Villa samt Garten mit seltenen Pflanzen aus aller Welt vertraute sie dem Freund und langjährigen Direktor des Frankfurter Palmenhauses an. Nachdem dieser sie weiterverkauft hatte, landete sie schließlich bei einer Immobiliengesellschaft, die Haus und Garten abreißen ließ, um dies hier zu errichten. Während ich auf den Betonpflastersteinen in Richtung eines traurigen, kleinen Quotenspielplatzes im letzten Winkel der Anlage weiter gehe, frage ich mich, ob sie die Benennung des Platzes wohl als Hohn oder Ehre empfunden hätte…

Durch den löchrigen Spielplatzzaun gelange ich auf eine hübsche, schmale Birkenallee für Fußgänger und Radfahrer. Ich überquere die Homburger Landstraße und biege dann rechts ein in das Innere des großen Wohnblocks neben dem US-Militärkrankenhaus. Die Blockrandbebauung aus der Zeit des Reformwohnungsbaus bildet einen großen, nach Süden offenen Hof, den ich in voller Tiefe durchquere. Die jedermann zugänglichen Rasenflächen mit den typischen, grün lackierten Stahlbügeln für Wäscheleinen verschaffen der einfachen Architektur einen großen Auftritt. Wie eine Intarsie mitten hinein in dieses Siedlungsgrün führt die Runkeler Straße als Sackgasse. Nur durch einen schmalen Tordurchgang ist sie für Fußgänger auch von Norden zu erreichen. Durch dieses Tor gelange ich auf den Marbachweg und die Gießener Straße, wo ich in die nächste Bahn steige (Linie U5).

WEGBESCHREIBUNG

1
Vom Bahnhof Bad Vilbel Gronau über die Bachwiesenstr und die Bismarckstraße zum Bahnübergang Berger Straße, dann immer geradeaus bis zum ersten Feldweg nach der Straßenunterführung.

2
rechts abbiegen, der abknickenden Wegführung nach links folgen, dann 800 Meter geradeaus, bis zum Ende des Wegs

3
50 Meter nach links gehen und dann gleich wieder rechts. Dem Pfad am Rand der Wiese entlang folgen, dann den Aussiedlerhof anpeilen

4
Den Zufahrtsweg zum Aussiedlerhof überqueren und dem Grasweg wischen den Feldern hügelan folgen. Den nächsten Zufahrtsweg ebenfalls einfach überqueren und den Weg unbeirrt fortsetzen bis zum Strommast.

5
rechts abbiegen und dem Höhenweg und den Hochspannungsleitungen nach rechts folgen. Nach 350 Metern kurz links, dann gleich wieder rechts. Die Richtung jetzt unbeirrt 1,5 km beibehalten. Dabei wechselt der Weg mehrfach seine Beschaffenheit, setzt sich aber immer weiter fort

6
Da, wo der Weg im spitzen Winkel auf den Hauptwanderweg stößt, ganz links halten (links vom Distelfeld), dann bei der nächsten Gelegenheit wieder rechts.

7
Die Vilbeler Landstraße (B521) überqueren und auf dem Feldweg geradeaus weitergehen. Nach 80 Metern rechts dem Pfad durch das Wäldchen zur Berger Warte folgen. Durch das gleiche Wäldchen wieder zurück auf den Feldweg gehen. Diesem um das Umspannwerk folgen.

8
Nach dem Umspannwerk kurz rechts, dann wieder links gehen, um die Richtung beizubehalten

9
Dem Hauptweg 750 Meter folgen, bis es etwas steiler bergab geht und der Weg sich ins Gelände einschneidet. Bevor die mit Büschen bestandene Böschung beginnt, führt rechts ein Trampelpfad die Böschung hinauf. Diesem über die anschließende Wiese am Rand des Ackers entlang folgen. Bevor der Pfad zum dritten mal einen Gehölzstreifen durchquert links halten zum Berger Weg

10
Den Berger weg überqueren und die Richtung auf dem Feldweg, der auf der anderen Straßenseite hangabwärts führt, beibehalten

11 
Dem Weg zwischen den Gärten 250 Meter folgen, bis rechterhand eine schmale Wiese auftaucht. Dem Pfad am Rand der Wiese entlang folgen bis zur Nußgartenstraße

12
Auf der Nußgartenstraße kurz links gehen, dann gleich wieder rechts in den nächsten Feldweg, um die Richtung beizubehalten. Der Weg führt leicht bergauf, unter Obstbäumen und zwischen Feldern entlang. Die Richtung mit leichten Schwenks beibehalten, bis zum Ende des Wegs am Auffahrtsohr der B521 (Friedberger Landstraße)

13
Der Hofhausstraße wenige Meter nach in Richtung Friedberger Landstraße folgen, dann gleich wieder links abbiegen auf den Feldweg in Richtung Krankenhausgebäude. Diesem mit einigen Schwenks folgen bis vor das Krankenhaus

14
Auf das Krankenhausgebäude zugehen und rechterhand den Treppenstufen in die Tiefgarage folgen. Die Tiefgarage einige Meter durchqueren, dann auf der langen Rampe wieder hochgehen. Die kreisförmige Zufahrtskreuzung überqueren und die Richtung auf dem schräg gegenüber liegenden Parkdeck beibehalten. Am Ende des Parkdecks die Treppe in die untere Parkebene runtersteigen und über die Parkhauszufahrt vorgehen an die Friedberger Landstraße

15 
den Fußgängersteg betreten und dem Weg über die Friedberger Landstraße und die A661 hinweg folgen. Anschließend auf dem Marbachweg weitergehen bis zum Anfang der Neubausiedlung auf der linken Seite.

16 
links einbiegen in die Tiefgaragenzufahrt, dann gleich wieder rechts in den Wohnweg. Den Marianne Beuchert-Platz überqueren und links durch den Tordurchgang unter dem Wohngebäude hindurch, ebenso durch den Spalt zwischen den beiden folgenden Häusern. Dann rechts auf den Spielplatz am Ende der Sackgasse.

17
Das Wäldchen hinter dem Spielplatz durchqueren und dem Fuß- und Radweg nach rechts folgen. Diesen vor dem letzten Wohnblock auf der linken Seite nach links verlassen und anschließend vorgehen bis zur Homburger Landstraße.

18 
Die Homburger Landstr. überqueren und den Weg wenige Meter in der Wetzlarer Straße fortsetzen. Dann gleich rechts einbiegen auf den Zugangsweg hinter dem Wohnblock, das Blockinnere in voller Länge durchqueren und durch das Tor hindurch auf den Marbachweg treten. Nach links gehen bis zur:

19
Haltestelle Gießener Str. der U5

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