Wanderung im Langener Wald

Wanderung im Langener Wald

Auf einen Blick:

Wanderparkplatz B486 zw. Langen und Dreieich-Offenthal
Wanderparkplatz B486 zw. Langen und Dreieich-Offenthal
einfach
3 - 4 h
13 KM
weißer Tempel

Über die Tour

Tourstationen:
1. Wetterradarturm
2. Hügelgräber Koberstadt
3. Ernst-Ludwig-Platz / Weißer Tempel
4. Ernst-Ludwig-Teich
5. Krause Buche und Forstamt
6. Übergangsbereich Wald – offene Feldflur
7. Naturdenkmal Speierling und Sicheltanne
8. Egelswoog
9. Naturdenkmal „Alter Steinbruch“
10. Alte Schlossplanung

Die Wanderung im Detail:

1. Wetterradarturm
Bei dem Turm handelt es sich um einen Wetterradarturm des Deutschen Wetterdiensts. Die Wetterradarstation ist Bestandteil eines bundesweiten Radarverbunds und verbessert die Unwettervorhersage. Insgesamt gibt es in Deutschland 17 Wetterradarstationen. Der Turm hier in Dreieich-Offenthal steht hier seit 2010. An der Spitze des Turms befindet sich, vor Wettereinflüssen durch eine geschlossene Schutzhülle (auch Radom genannt) geschützt, die Antenne. Die Antenne empfängt den Teil der ausgesendeten Impulse, der von Tröpfchen mit mehr als 0,1 mm Durchmesser reflektiert wird. Aus Laufzeit und Intensität erhalten die Meteorologen des DWD Informationen über Intensität und Zugrichtung der Niederschlagsfelder. Die Bilder der Stationen werden zu einem
Gesamtbild für Deutschland zusammengesetzt. Diese Informationen gehen in den Wettervorhersagedienst ein, dienen der Warnung vor Starkniederschlägen und Unwettern und helfen Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, Stichwort Hochwasser- und Hagelschutz. Der Radarstrahl geht etwa mit 2° schräg nach oben. Seine Reichweite beträgt 250 Kilometer.

2. Hügelgräber Koberstadt
Die Hügelgruppe ist ein großer Friedhof aus dem 8. und 7. Jahrhundert vor Christus. Sie liegt auf dem Gebiet der „Koberstadt“. Aufgrund der Ausstattung in den Gräbern spricht man von der „Koberstädter Kultur“. Die Grabhügel sind noch gut erhalten, weil sie geschützt im Wald liegen und nicht durch Bautätigkeiten oder landwirtschaftliche Arbeiten in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Einige Hügel wurden ausgegraben und zeigten teilweise sehr aufwändige Innenbauten aus Stein oder Hügelbekrönungen mit Steinstelen. Im Kreis Offenbach gibt es noch weitere 40 Grabhügelgruppen mit über 400 Hügeln.

3. Ernst-Ludwig-Platz / Weißer Tempel
Der in Volksmund als „Weißer Tempel“ oder auch „Weißes Häuschen“ bezeichnete Bau heißt eigentlich „Ernst-Ludwig-Schirm“. Es ist nach seinem Erbauer, Großherzog Ludwig III benannt. Der Vorgängerbau wurde um 1850 errichtet. Die filigrane, schirmartige Konstruktion hielt jedoch Stürmen nicht stand, so dass sie 1906 durch den wesentlich stabiler gebauten „Weißen Tempel“ ersetzt wurde, der seinen Namen einem ursprünglich weißen Anstrich verdankt. Der markante, unverwechselbare Pavillon gibt Orientierung im weitläufigen Wald und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Am Samstag vor Pfingsten wird hier ein Waldfest gefeiert.

4. Ernst-Ludwig-Teich
Der Teich wurde um 1890 im Zuge einer großflächigen Umgestaltung des Waldes zu einem Erholungsgebiet als Fischteich für Karpfen und Hechte angelegt. Benannt ist er nach ErnstLudwig, Landgraf von Hessen (1667-1739). Das 1500 Quadratmeter messende Gewässer wird vom Hegbach durchflossen. Weiter östlich entspringt der Hegbach, der dort Rutschbach heißt, in dem Waldgelände westlich von Urberach. Im Osten geht der Teich in einen breiten Schilfgürtel über, einem Biotop für Wasservögel, beispielsweise dem Teichhuhn. Die Erdkröte und der Springfrosch haben hier ein bedeutendes Vorkommen.

5. Krause Buche und Forstamt
Hinter dem frisch sanierten ehemaligen Forsthaus stand einst eine mächtige Rotbuche, angeblich mit einem Kronendurchmesser von 25 Metern. Es war ein alter Hutebaum, dessen Blätter auffällig gekräuselt waren, daher der Name „Krause Buche“. Seine Holzmasse betrug rund 40 Kubikmeter. Ich erinnere an dieser Stelle an die erste Wanderung 2012 rund um Oberursel. Ich erzählte vom dem Mammutbaum „General Sherman“ mit 1500 Kubikmeter Holz, dem 37-fachen der Krausen Buche. Kaum vorstellbar.

6. Übergangsbereich Wald – offene Feldflur
Wir befinden uns am Übergang von Wald zu Feldflur, von Feldflur zu Wald. Eine ganze Reihe von Gegensatzpaaren wird erlebbar: offener Raum – enger Raum; weiter Blick – eingeschränkte Sicht; deutlich erlebbares Wetter – ausgeglichenes Klima und abwechslungsreiches Gelände – Gleichförmigkeit. An dieser Stelle zeigt sich in der Landschaft deutlich eine weiche Nutzungskante. An den Koberstädter Wald schließen sich Ackerbau- und landwirtschaftlich genutzte Flächen an. Die Dreischläger Allee leitet sanft aus der freien Feldflur zur B3 und dem sich anschließenden Egelsbacher Gewerbegebiet über.

Ausgleichsfläche Fraport
Seit rund fünf Jahren wächst hier auf 35 Hektar Fläche ein junger Wald heran, 266.000 Pflanzen wurden gesetzt. Es entsteht ein Laubmischwald aus Eiche, Hainbuche und Linde mit einem Waldrand aus heimischen Straucharten wie Pfaffenhütchen, Weißdorn und Haselnuss. 35 Hektar entsprechen 12 Prozent der Gesamtaufforstungsfläche von Fraport für den Bau der neuen, inzwischen umstrittenen Landebahn (insgesamt 288 Hektar für 282 Hektar gerodeter Wald bei Kelsterbach). Insgesamt sind es 13 Teilflächen im Rhein-Main-Gebiet. Die Fläche hier in Egelsbach war bis 1990 ein Versuchsfeld der damaligen Höchst AG.

Nun folgende Wanderstrecke: Intakte Kulturlandschaft
Zwischen Egelsbach, A 661 und Waldrand gibt es noch eine ganz intakte Kulturlandschaft. Das landwirtschaftlich genutzte, nach Osten ansteigende Gebiet ist weitläufig, leicht gewellt, von Wiesen, Obstwiesen, Einzelbäumen und Feldgehölzen durchsetzt. Bei gutem Wetter hat man zudem eine gute Fernsicht nach Westen. Im engeren Bereich des Rhein-Main-Gebietes ist es selten, dass man einen offenen Landschaftsabschnitt findet, der weitgehend frei ist von Verkehrslärm und nur in der Peripherie von Straßen, Leitungstrassen und Gewerbegebieten beeinträchtigt wird.

7. Naturdenkmal Speierling und Sicheltanne
Betrachtung des Speierlings 2 Grundstücke weiter Von hier aus sichtbar steht in 30 Meter Entfernung vom Weg der größte Speierling im Kreis Offenbach mit birnenförmigen Früchten. Der Speierling (Sorbus domestica) ist ein alter Wildobstbaum aus der Familie der Rosengewächse. Er kann bis zu 30 Meter hoch und in
Mitteleuropa bis zu 300 Jahre alt werden. Der sommergrüne Baum mit seiner rundlichen, etwas lückenhaften Krone blüht von Mai bis Juni, die Früchte reifen ab September und sind erst im überreifen Zustand genießbar. Sie werden, typisch für das Rhein-Main-Gebiet, zur Geschmacksveredelung bei der Herstellung von Apfel- und Obstwein verwendet. Früher spielten sie in der Volksmedizin wegen ihres Gerbstoffgehaltes eine wichtige Rolle.

Tipp vom einstigen Besitzer, Herrn Rühl:
Die Ernte erfolgte seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr, da zu gefährlich. Früchte wurden früher grün geerntet, wegen des niedrigeren Gerbsäuregehalts. Auf 100 l Most kam 1 kg Speierlingsfrüchte, dann zusammen 2. Gärung, damit Apfelwein klar wird und länger haltbar. Wenige Meter weiter steht eine Sicheltanne. Sie kam erst vor rund 150 Jahren nach Mitteleuropa. Baum braucht hohe Luftfeuchtigkeit und mag keine scharfen Winde. Schlecht sind gute Böden, da dort das Holz nicht genügend ausreift. Kein Schädlingsbefall bekannt. Typisch sind die sichelförmig gebogenen Nadeln.

8. Egelswoog
Um 1725 wurde die Tränkebachquelle auf der anderen Seite der Autobahn, 500 Meter Luftlinie von hier entfernt, gefasst und das Ludwigsbrünnchen angelegt. In der Folge wurden drei Teiche zur Fischzucht angelegt, um die damals beliebten Jagdgesellschaften unmittelbar bewirten zu können. Vor Ihnen liegt der mittlere der drei Teiche. Alle zusammen werden als Egelswoog bezeichnet. In den Teichen kommen Karpfen, Schleien, Hechte und Weißfische vor. Optisch beeinträchtigt wird die im Wald gelegene Teichlandschaft durch eine Trasse von Hochspannungsleitungen. Das Ludwigsbrünnchen kann man über einen Weg erreichen, der
80 Meter weiter nördlich nach Osten abgeht und die Autobahn unterquert.

Naturverjüngung im Buchenwald
Die Buchen dieses Waldbestandes sind über 150 Jahre alt. Sie haben sich zu stattlichen Exemplaren entwickelt, da die Buche auf diesem Standort optimale Wachstumsbedingungen vorfindet und allen anderen Baumarten überlegen ist. Die Entnahme von Einzelbäumen im Laufe der Jahrzehnte verursachte Lücken im Waldgefüge. Gut zu sehen ist hier, wie dadurch das Nachwachsen einer neuen Buchenwaldgeneration ermöglicht wird.

9. Naturdenkmal „Alter Steinbruch“
Der Langener Steinbruch ist der einzige nicht wieder verfüllte Sandsteinbruch im RheinMain-Gebiet. Im 20. Jahrhundert wurden hier Bruchsteine für Mauerwerke, Treppenstufen sowie Tür- und Fenstersimse gewonnen, die im Langener Stadtgebiet und der Umgebung verbaut wurden. Nach seiner Aufgabe hat sich der Steinbruch zu einem bedeutenden Lebensraum für Amphibien entwickelt. Neben der stark gefährdeten Gelbbauchunke kommt auch die größte heimische und ebenfalls stark gefährdete Molchart, der Kammmolch, hier vor. Ende August verlassen zahlreiche Amphibienarten die Gewässer, um an Land zu überwintern.

Einkehr Restaurant Am Steinberg:
Restaurant des Naturfreundehauses, Oberer Steinberg 94, 63225 Langen, 06103/22530, bei Silvio (GF); Deutsche Gerichten und Balkanspezialitäten, sowie saisonale Gerichte mit Spargel, Wild, Gänsen und Pfifferlingen.

10. Alte Schlossplanung
Hier, am nördlichen Ausläufer des Sprendlinger Horstes, sind im Areal des ehemaligen Forsthauses Koberstadt noch die Brunnenstube und der Keller eines Schlosses erhalten geblieben. Das Schloss wurde um 1565 von Graf Wolfgang von Ysenburg-Ronneburg als sehr großzügiges Bauwerk entworfen: für jeden Tag des Jahres war ein eigenes Fenster vorgesehen. Da der Graf sein Schloss letztendlich bei Kelsterbach am Main errichten ließ, wurden die Bauarbeiten abgebrochen. Es existiert eine Sage, wonach auf der Koberstadt ein heidnischer König regiert habe, dessen Stadt mitsamt ihren Einwohnern untergegangen ist.
Esskastanien. Die Esskastanie (Castanea sativa) wurde vermutlich schon zur Römerzeit in die Regionen nördlich der Alpen gebracht. Der sommergrüne Baum aus der Familie der Buchengewächse kann bis zu 30 Meter hoch und sehr alt werden. Hier, an der nördlichen Seite der Bogenschneise, dem Wald vorgelagert, stehen einige mehr als 200 Jahre alte und ein paar jüngere Exemplare als Baumzeile, die seit 1992 als Naturdenkmal geschützt sind.

Maronen gehören ans Mittelmeer, denkt man. Die Früchte der Edelkastanie hatten früher jedoch auch in diesem Teil des Taunus eine große Bedeutung als Nahrungsmittel für den Menschen. Die Edelkastanie – botanischer Name Castanea sativa – wurde in Hainen oder Plantagen angepflanzt, weil man damit den Ertrag um einiges steigern konnte. Jeder Baum sollte eine gute Belichtung haben, um auch in den unteren Baumregionen Früchte anzusetzen. Auf die Pflege der Bäume wurde viel Zeit investiert, denn sie mussten wie die Obstbäume regelmäßig geschnitten werden. Das geschnittene Holz war so begehrt, dass man es versteigerte. In Kronberg, Königstein und Oberursel gab es Edelkastanien-Haine schon vor 200 bis 250 Jahren, wahrscheinlich sogar schon viel früher.
Heute ist die Bevölkerung auf die Früchte und das Holz der Edelkastanie nicht mehr angewiesen. Da somit auch keine intensive Pflege mehr erfolgt, haben sich die Kastanienhaine in einen Mischwald mit Kastanien verschiedener Altersstufen verwandelt.

Albrecht Schaal, grün³
1.4.2014, ergänzt 13.4.2014

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