Brunnenplatz „Sauunter am Blech“, Nauheim

Brunnenplatz „Sauunter am Blech“, Nauheim

Wenn es im Regionalpark RheinMain einen Preis für den seltsamsten Namen gäbe, der Brunnenplatz „Sauunter am Blech“ stünde schon als Sieger fest. Zurück geht er auf zwei alte Flurbezeichnungen. Die heutige Gestaltung des Geländes spielt aber nicht nur auf die historische Schweinemast an. Mit den riesigen Holzinstrumenten und dem, einem Wäschebleuel nachempfundenen Wappenbrunnen, greift sie weitere Eigenheiten aus Nauheims Geschichte auf.

Wie kommen die auf so einen Namen?, wird sich wohl jeder Besucher des Nauheimer Freizeitgeländes fragen, und auch der Leser dieser Zeilen beginnt gewiss das Grübeln. Dabei ist es im Grunde ganz einfach. Am Ende der heutigen Berzallee, etwa auf Höhe des Waldwiesengrabens, lagen die zwei Flurstücke „Sauunter“ und „Auf dem Blech“. Lange bevor Autobahn und Lärmschutzwall der Landschaft ihren Stempel aufdrückten, trieben die Schweinehirten hier die Säue in den Hutewald. In den lichten Laubwäldern fanden die Wutze unter Eicheln und Buchen reichlich Futter. Gut gemästet blühte ihnen indes ein anderes Schicksal als den sieben Hartholz-Säuen auf der Spielwiese, auf denen heute Kinder gerne reiten: Sie landeten im Topf oder der Räucherkammer.

„Sauunter“ hieß das etwas nördlicher gelegene Flurstück, da dort die Schweinehirten einen festen Unterstand hatten. Die Bezeichnung „Auf dem Blech“, kürzer „Am Blech“, greift die Topografie des Ortes auf: Blechflach wie das Landstück war, eignete es sich bestens zum Lagern von Bau- und Stammholz. Das wurde im nahen Nauheimer Unterwald geschlagen. Holz spielt auch bei einem anderen Thema aus Nauheims Geschichte eine Rolle: der Musikinstrumenten-Industrie, die mit dem Klangweg ein Denkmal bekommen hat. Genau so die Sinne spricht der kleine Kräutergarten an. Wenn auch, etwa mit den blühenden Rosenbäumchen, auf ganz andere Art.

Um den kleinen Spaziergang durch Nauheims Vergangenheit abzurunden, sind die Besucher zum Planschen am Wappenbrunnen eingeladen. Der greift die Form des im Stadtwappen gezeigten Wäschebleuels auf. Das soll, so die allerdings nicht unumstrittene Erklärung, auf die früher ansässigen Leinenweber anspielen. Dazu muss man wissen: Ein Wäschebleuel ist ein flaches Holzbrett mit Griff. Damit wurde beim Waschen auf die Wäscheballen eingedroschen, um den Schmutz heraus zu schlagen und sie weich zu klopfen. Harte Arbeit also. Dass die Bretter manchmal auch im Sinne einer zweifelhaften Pädagogik eingesetzt wurden, schimmert im etwas antiquierten Wort „einbleuen“ durch. Doch all solche Assoziationen dürften weit weg sein, wenn heute an heißen Tagen fröhlich im handgepumpten Wasserstrahl gepuddelt wird.

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